Springe direkt zu Inhalt

Die Lehre gemeinsam in den Blick nehmen

An der Freien Universit?t beginnt im Sommersemester ein partizipativer Prozess, in dessen Rahmen alle Hochschulangeh?rigen eingeladen sind, eine Vision für die Zukunft von 比分365,球棎足球比分 zu entwickeln

13.02.2020

Was macht gute Lehr- und Lernkultur aus? An der Freien Universit?t sollen sich im Rahmen eines partizipativen Projektes neue Perspektiven er?ffnen.

Was macht gute Lehr- und Lernkultur aus? An der Freien Universit?t sollen sich im Rahmen eines partizipativen Projektes neue Perspektiven er?ffnen.
Bildquelle: DAAD/Jan von Allw?rden

Was macht gute Lehr- und Lernkultur aus? Wie k?nnen 比分365,球棎足球比分 künftig gestaltet werden und mehr Wertsch?tzung erlangen? Ein Interview mit dem Physikstudenten Fabian Krüger, den Mitarbeiterinnen Katja Reinecke und Cynthia Heiner und dem Vizepr?sidenten für 比分365,球棎足球比分, Professor Hauke Heekeren im Vorfeld eines universit?tsweiten Kick-off-Events, das am 28. April im Henry-Ford-Bau stattfindet.

Herr Krüger, Sie sind Student und Mitglied des Netzwerks LehreN und engagieren sich im Projekt ?Zukunft Lehre“. Stellen Sie sich vor, Sie würden in Dahlem-Dorf in die U-Bahn steigen und bei Freie Universit?t/Thielplatz schon wieder aussteigen. Mit welchen Argumenten würden Sie in dieser kurzen Zeit Studentinnen und Studenten in der Bahn für eine Teilnahme am Kick-off-Event zu gewinnen versuchen, die dem ganzen Vorhaben gegenüber skeptisch sind?

Fabian Krüger studiert Physik an der Freien Universit?t Berlin.

Fabian Krüger studiert Physik an der Freien Universit?t Berlin.
Bildquelle: Privat

Fabian Krüger: Es gibt diesen Spruch ?Wer nicht w?hlt, darf nicht meckern“. Dem würde ich zwar nicht voll und ganz zustimmen, da jeder Kritik üben darf. Dennoch gilt: Wer etwas ?ndern k?nnte und diese M?glichkeit nicht wahrnimmt, tr?gt auf jeden Fall eine Mitschuld am bestehenden Zustand.

Dass mit dem Kick-off-Event am 28. April ein Prozess beginnt, der für unsere Universit?t gro?e Ver?nderung bedeuten kann, ist sicher, denke ich. Betrachten wir also die drei Einstellungen, die man zu Ver?nderungen diesbezüglich haben kann: Entweder man ist offen für Ver?nderungen: Dann sollte man auf jeden Fall teilnehmen, da man nur so dafür Sorge tragen kann, dass die ?richtigen“ Ver?nderungen eintreten. Oder man ist gegen Ver?nderungen: Dann sollte man auch auf jeden Fall teilnehmen, um dafür zu sorgen, dass vom aktuellen Zustand m?glichst viel erhalten bleibt. Es k?nnte einem natürlich auch egal sein, ob sich etwas ver?ndert: Das w?re vermutlich Ausdruck einer mangelnden Fantasie. Wenn man sich einfach nur einmal vorstellt, dass Pflichtvorlesungen mit Anwesenheitskontrolle um 4 Uhr morgens auf einem Samstag l?gen, dann wei? man ganz genau, dass es schlimmer auf jeden Fall geht. Kurz gesagt: Eine Nichtteilnahme w?re in jedem Fall eine schlechte Idee.

Frau Reinecke, Sie koordinieren im Projekt SUPPORT die Lehrqualifizierung. Stellen Sie sich vor, in der Mensa-Schlange beschwert sich jemand in H?rweite, dass die Lehre an der Freien Universit?t schlechter denn je sei – und Hopfen und Malz verloren. Mit welchen Argumenten würden Sie ihn oder sie für eine Teilnahme am Kick-off-Event am 28. April gewinnen, bevor ihr Essen kalt ist?

Dr. Katja Reinecke, Arbeitsbereich Empirische Bildungsforschung am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie.

Dr. Katja Reinecke, Arbeitsbereich Empirische Bildungsforschung am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie.
Bildquelle: Privat

Katja Reinecke: Ich würde fragen, was aus Sicht der Person passieren müsste, damit sich die Lehre verbessert. Gerade zu diesem Zweck wird mit dem Kick-off-Event ja ein Austauschprozess gestartet: Um ins Gespr?ch zu kommen und gemeinsam über Lehre und Lernen an der Freien Universit?t nachzudenken. Wenn wir sagen, wir wollen st?rker auf die Lehre sehen, dann müssen wir natürlich auch die skeptischen und kritischen Ansichten der Beteiligten kennenlernen. Um neue Ideen und Wege zu entwickeln, ist es wichtig, bestehende Probleme genau zu benennen.

Professor Hauke Heekeren, Vizepr?sident für 比分365,球棎足球比分.

Professor Hauke Heekeren, Vizepr?sident für 比分365,球棎足球比分.
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Herr Professor Heekeren, die Freie Universit?t wird in diesem Jahr 72 Jahre alt. Bitte erkl?ren Sie in einer Minute: Wieso denken wir genau jetzt über die Zukunft der Lehre nach?

Hauke Heekeren: Nach gut 20 Jahren Bologna-Prozess steht eine neue wichtige Entwicklungsphase der Hochschullandschaft vor uns. Unter anderem wird dies am Beispiel der neuen Hochschulpakte ?Zukunftsvertrag 比分365,球棎足球比分“ und ?Innovation in der Hochschullehre“ oder des aktuellen Aufbaus der Berlin University Alliance sichtbar.

Wir wollen diese Prozesse als Protagonisten mitgestalten und den daraus resultierenden Herausforderungen proaktiv begegnen, deshalb ist es wichtig, dass wir uns zun?chst selbst vergewissern, wofür die Freie Universit?t im Bereich 比分365,球棎足球比分 steht und wie wir als Universit?t diesen in den n?chsten zehn Jahren weiterentwickeln wollen.

Frau Heiner, Sie sind Mentoring-Referentin und Bildungsberaterin; durch Ihre Kontakte zu Studierenden haben Sie, was die Lehre angeht, stets den Finger am Puls. Bitte nehmen Sie uns mit auf eine Fahrt in der Berg- und Talbahn: Was l?uft in der Lehre gut? Woran muss die Freie Universit?t arbeiten?

Dr. Cynthia Heiner, Mentoring-Referentin am Fachbereich Physik.

Dr. Cynthia Heiner, Mentoring-Referentin am Fachbereich Physik.
Bildquelle: Olga Jarugski

Cynthia Heiner: Die Freie Universit?t Berlin hat gro?artige Forscherinnen und Forscher, und viele von ihnen sind sehr daran interessiert, auch gro?artige Dozentinnen und Dozenten zu sein. Wir haben ein gutes Qualifizierungsprogramm, das Lehrenden erm?glicht, mehr über aktuelle, evidenzbasierte P?dagogik zu lernen, die sie anwenden k?nnen.

Zur Kehrseite der Medaille z?hlt, dass all diese engagierten Menschen sich Zeit nehmen, um besser zu lehren, was ihren Studierenden, deren Fachbereich und der Freien Universit?t – und letztlich der Gesellschaft insgesamt – zugutekommt, doch bleibt die Mühe weitgehend unbelohnt. Hier sollte die Freie Universit?t ansetzen: Sie tr?gt Verantwortung für die Ausbildung der n?chsten Generation, und ohne die Studierenden g?be es keine Universit?t.

Doch das Anreizsystem der Universit?t und die F?rderstruktur von Institutionen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder des Europ?ischen Forschungsrats vermitteln Lehrenden unter dem Strich die Botschaft, dass die Zeit, die sie für ihre Lehre aufwenden, der Forschung entzogen wird. Es entsteht vielfach der Eindruck, dass Forschung das Einzige ist, das wirklich z?hlt, und so wird die Lehre im schlimmsten Fall zu einer Belastung und in solch einem besten Fall zu einer Pflicht, die schnell erledigt werden sollte.

Erkl?rter Anspruch des angesto?enen Prozesses ist es, neben den bereits in der Lehre, in Gremien und in Arbeitsgruppen Engagierten die gesamte universit?re ?ffentlichkeit in das Vorhaben einzubeziehen. Sie wollen die Expertise aller nutzen – von Studierenden, von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von Professorinnen und Professorinnen und von allen anderen Besch?ftigten. Wie kann das gelingen?

Hauke Heekeren: An der Freien Universit?t gibt es schon jetzt eine Community an Mitstreiterinnen und Mitstreitern, denen 比分365,球棎足球比分 am Herzen liegt und die sich Tag für Tag in verschiedenen Rollen und Kontexten für eine gute Lehr- und Lernkultur einsetzen. Für sie und alle anderen Interessierten wollen wir ein Gespr?chsangebot und einen Raum für einen konstruktiven Austausch schaffen. Durch eine offene Einladung an alle Universit?tsangeh?rigen und eine Kommunikationskampagne mit dem Fokus auf die hohe Bedeutsamkeit von 比分365,球棎足球比分 für unsere Universit?t wollen wir sie erreichen und sie motivieren, an dem Prozess mitzuwirken.

Professorinnen und Professoren verbringen einen Gro?teil Ihrer Zeit mit Lehre. Warum sollten gerade sie zu dem Treffen kommen?

Hauke Heekeren: Im Leitbild- und Strategieprozess soll eine hochschulweite Vision entstehen, wie die Zukunft von 比分365,球棎足球比分 an der Freien Universit?t aussehen soll. Die Hochschullehrenden k?nnen ihre ausgezeichnete Expertise und Erfahrung in der Lehre wie in der Forschung aus ihrem Fach heraus einbringen und, im intensiven Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachbereichen sowie mit allen anderen Akteurinnen und Akteuren, wichtige Inputs für die Weiterentwicklung von 比分365,球棎足球比分 erbringen. Damit haben die Professorinnen und Professoren die Chance, zur Erarbeitung des Leitbilds Lehre sowie der Lehr- und Lernstrategie der Freien Universit?t beizutragen.

Wenn Sie es in einem Satz umrei?en müssten: Was kann Lehre leisten?

Katja Reinecke: Lehre kann der zündende Funke für junge Menschen sein, sich kritisch und informiert – also wissenschaftlich – mit der Welt und den menschlichen Gestaltungsm?glichkeiten auseinanderzusetzen, aber auch mit den Problemen und der Verantwortung der Menschen.

Cynthia Heiner: Die Lehre kann die Neugierde und die Motivation freisetzen, mehr wissen zu wollen und neue Ideen zu entwickeln.

Fabian Krüger: Lehre kann das Leben eines Menschen grundlegend ver?ndern und ihn bis an sein Lebensende pr?gen – im positiven Sinne wie im negativen.

Hauke Heekeren: Die Antwort auf diese Frage soll meines Erachtens genau eines der Ergebnisse des Prozesses sein, deshalb m?chte ich hier nur eine allgemeine pers?nliche Einsch?tzung geben. Meiner Meinung nach kann die universit?re Lehre die wissenschaftsbasierte und lebenslang aufgestellte Bildung von Weltbürgerinnen und -bürgern leisten, die im ?ffentlichen und beruflichen Leben die Werte unserer Universit?t vertreten und Verantwortung in der Gesellschaft in ihren verschiedenen Rollen übernehmen.

Was l?uft bei uns in der Lehre gut? Woran muss die Freie Universit?t arbeiten?

Hauke Heekeren: Auch diese Fragen sollen erst im Rahmen des Prozesses diskutiert und beantwortet werden: Wie k?nnen wir die Freie Universit?t für die Zukunft von 比分365,球棎足球比分 fit machen? Wo sehen unsere Mitstreiterinnen und Mitstreiter das Potenzial für Pflege und Verst?rkung des Bestehenden, wo für Innovation und Transformation? Ich greife den Ergebnissen des Prozesses nicht vor, wenn ich feststelle, dass an der Freien Universit?t ausgezeichnete Voraussetzungen bestehen, um uns für die n?chste Dekade aufzustellen. Das zeigen nicht zuletzt die hohe Anzahl an Studienbewerberinnen und -bewerbern aus dem In- und Ausland sowie die neuesten Erfolge der Berlin University Alliance und des Netzwerkes UNA Europa zusammen mit unseren Partnerinstitutionen.

Katja Reinecke: Ich kenne viele sehr engagierte Lehrende und durfte schon in zahlreichen spannenden und gut strukturierten Lehrveranstaltungen hospitieren. Aber woran die Freie Universit?t auf jeden Fall arbeiten muss, ist die bisher fehlende Vernetzung. Vor allem junge Lehrende werden nach meiner Wahrnehmung zu sehr mit den komplexen Ansprüchen von Lehren, Beraten und Prüfen allein gelassen. Hochschullehre ist eine Gemeinschaftsaufgabe, und viele Herausforderungen müssen auf Ebene der F?cher oder Studieng?nge angegangen werden.

Fabian Krüger: Ich kann hier natürlich nur von den Veranstaltungen sprechen, die ich besucht haben. Bei denen fand ich die fehlende Anwesenheitskontrolle ziemlich gut. Nicht, dass ich aus Faulheit nicht teilnehmen wollte, vielmehr finde ich, respektiert das die Diversit?t und die Eigenverantwortlichkeit der Studierenden.

Auch finde ich es sinnvoll, wenn Studierenden gegen Ende des Semesters Freiraum und Unterstützung gegeben und ihnen erm?glicht wird, sich weiter gem?? ihren Interessen in dem jeweiligen Modul mit dem Stoff auseinanderzusetzen. Leider ist das nicht die Regel in meinem Studiengang. Ironischerweise muss die Freie Universit?t an der Freiheit ihrer Studierenden im Studium arbeiten. Ich hatte oft das Gefühl, dass ich in meinem Studium nicht meinen Interessen nachgehen kann und stattdessen Module belegen musste, die ich für meine pers?nliche Lebensplanung nie wieder brauchen werde. Wieso sollten alle das Gleiche lernen? Ich denke, wir haben alle mehr davon, wenn wir die Diversit?t der Interessen nutzen und f?rdern.

Welche Etappen des Prozesses sind in diesem und im n?chsten Jahr geplant?

Hauke Heekeren: Nach der Auftaktveranstaltung am 28. April 2020 werden sich im Sommersemester Arbeitsgruppen mit inhaltlichen Beitr?gen für das Leitbild sowie für die Lehr- und Lernstrategie befassen. Ziel ist es, die Ergebnisse im Rahmen eines Wrap-up-Events noch im Sommer gemeinsam und universit?tsweit zu diskutieren.

Der darauf aufbauende erste Entwurf wird im Wintersemester in einer Feedback-Kampagne zur Diskussion gestellt. Dadurch sollen erneut alle Universit?tsangeh?rigen, Statusgruppen, Interessevertretungen an allen Standorten, Fachbereichen, Zentralinstituten und Zentraleinrichtungen unserer Universit?t erreicht werden. Anhand der gesammelten Rückmeldungen werden wir eine Beratung des Leitbilds Lehre in den Gremien der akademischen Selbstverwaltung voraussichtlich noch im Wintersemester vorbereiten.

Was macht den Reiz dieses universit?tsdiversen Kick-off-Events Ende April aus?

Hauke Heekeren: Offenheit, Transparenz und Partizipation sind die Leitmotive, die uns bei der Konzeption und Organisation der Veranstaltung geleitet haben. Wir laden alle interessierten Universit?tsangeh?rigen ein, sich einzubringen und gemeinsam die Themen der darauffolgenden inhaltlichen Ausarbeitung für das Leitbild Lehre zu definieren.?

Der Reiz ist für mich, gemeinsam mit vielen anderen Mitgliedern unserer wunderbaren Universit?t darüber ins Gespr?ch zu kommen, wie wir 比分365,球棎足球比分 weiterentwickeln wollen. Ich bin gespannt und neugierig auf die Perspektiven und Ideen von Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Kolleginnen und Kollegen; ich freue mich darauf, zuzuh?ren und gemeinsam zu diskutieren.

Bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Befreiung von Lehrveranstaltungen?

Hauke Heekeren: Der Prozess soll den regelm??igen universit?ren Alltag begleiten, deshalb ist eine Befreiung nicht geplant. Wir bemühen uns, die zentralen Veranstaltungen familiengerecht zu organisieren, und ermutigen die Interessierten, mit ihren Dozierenden, Vorgesetzen oder Einrichtungen ins Gespr?ch darüber zu kommen, wie eine Teilnahme im Rahmen der aktuellen Regelungen erm?glicht werden kann.

Das Kick-off-Event steht allen offen. Warum halten Sie ein solches universit?tsdiverses Treffen für wichtig?

Cynthia Heiner: Ich glaube fest an die Kommunikation. Die Menschen vergessen leicht, dass sie nur ihre Seite der Geschichte kennen und manchmal nur das sehen, was ihnen zugutekommt oder schadet, und sie verallgemeinern diese Eindrücke zu leicht. Ich war Studentin, aber das bedeutet nicht, dass meine Erfahrung die gleiche ist wie die meiner Studierenden.

In welcher Rolle wir uns befinden: ob als Studierende, Lehrende, Verwaltungsangestellte, Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler, technische Angestellte, Besch?ftigte in Bibliotheken – wir alle haben unsere eigene Sicht und eine Verantwortlichkeit im Lehr- und Lernprozess an der Universit?t. Diese Veranstaltung ist eine echte Chance, das Lehren und Lernen hier zu beeinflussen.

Fabian Krüger: Ich denke, dass in der Diversit?t dieses Treffens das eigentlich Potenzial liegt. Nur so k?nnen wir gew?hrleisten, dass grundlegende Dinge nicht übersehen werden.

Ein kleines Beispiel: Ich hatte schon erlebt, dass h?chst motivierte Dozierende einer anderen Universit?t mir ihr inzwischen voll umgesetztes Konzept vorgestellt haben und mich fragten, wie ich das als Student sehe. Mir fielen spontan zwei oder drei Punkte ein, bei denen sie nachbessern sollten. Etwas verwundert war ich dann aber, als sie auf meine Nachfrage hin sagten, dass ich der erste Student sei, den sie dazu befragten. Wenn mir, der ich nicht an deren Universit?t, geschweige denn das Fach studiere, sofort Fehler an einem wohlüberlegten Konzept auffallen, wie muss es dann den betroffenen Studierenden gehen?

Leider reicht Motivation allein oft nicht aus, wenn einem die Sichtweisen der Beteiligten fehlen. Deswegen bin ich gespannt, die anderen Perspektiven kennenzulernen, mit den Angeh?rigen der verschiedenen Statusgruppen zu diskutieren und meine Sicht darzulegen.

Katja Reinecke: Um-die-Ecke-Denken und neue, kreative Herangehensweisen für bekannte Situationen zu finden, passiert eher in einem gemischten, in einem die Statusgruppen-übergreifenden Setting.

Wieso sollten sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbringen, die auf den ersten Blick nichts mit der Lehre zu tun haben und beispielsweise in der Verwaltung arbeiten? Wo liegt deren Expertise?

Cynthia Heiner: Das erste, was mir einf?llt, sind die Leute aus der Verwaltung. Sie haben einen gro?en Einfluss auf formale Abl?ufe und ihre T?tigkeit beeinflusst damit indirekt den Lehr- und Lernprozess. Ich bin sicher, dass sie Vorschl?ge haben, wo Reibungsverluste abgebaut werden k?nnten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten mit Bachelor- und Masterstudierenden zusammen und engagieren sich oft ehrenamtlich in Informationsveranstaltungen, um junge Leute zum Studium ihres Fachgebiets zu inspirieren.

Angestellte aus Bibliotheken und Technik unterstützen Forschung in wesentlichem Umfang und damit auch alle Studierenden im Laufe ihres Studiums. Jede und jeder an der Universit?t ist ein Teil des Lehrens und Lernens.

Katja Reinecke: Ich habe einen kleinen Cartoon mit drei Bildern im Kopf. Auf jedem sieht man eine Figur in der gleichen Situation, sie behaut einen Stein. Aber in jedem Bild stellt sie sich etwas anderes in der Denkblase vor. In Bild 1 denkt sie ?Ich behaue einen Stein.“ In Bild 2 sieht man ein gotisches Fenster, in das dieser Stein hineinkommt, und die Figur denkt ?Ich arbeite an einem gotischen Fenster“. Im dritten Bild sieht man in der Denkblase den K?lner Dom; hier sagt die Figur: ?Ich bin daran beteiligt, wie ein Dom erschaffen wird.“

Ich denke, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die selbst unterschiedlich nah an Wissenschaft und Lehre t?tig sind, müssen für sich selbst beantworten, inwiefern sie sich mit Fragen der Lehre identifizieren. Ihre Expertise und ihre Sichtweisen sind für den Prozess aber auf jeden Fall sehr wichtig, weil natürlich viele ihrer T?tigkeiten – das Funktionieren oder Nicht-Funktionieren der komplexen Verwaltungsprozesse – direkte und gro?e Auswirkungen auf 比分365,球棎足球比分 haben.

Beim Kick-Off-Event werden im Idealfall die verschiedensten Sichtweisen zusammenkommen. Wie k?nnten die Ideen und Impulse in den weiteren Monaten einflie?en?

Cynthia Heiner: Ehrlich gesagt, wird das wohl der schwierigste Teil sein – die Beteiligten danach bei der Stange zu halten. Aber wenn sie an etwas arbeiten, das sie wirklich ver?ndern wollen, dann werden sie motiviert sein, es zu einem Ergebnis zu führen. Und es kann sehr bereichernd sein, mit anderen zusammenzuarbeiten, die sich für die gleiche Sache, das Lehren und Lernen, einsetzen. Dann k?nnen wir in Gruppen Bedenken und Vorschl?ge anderer h?ren und über sie diskutieren – alles eine Frage der Kommunikation.

Fabian Krüger: Am besten, indem die, die die Ideen hatten, am Ball bleiben und sich in Arbeitsgruppen engagieren. Ich glaube, auch die Dokumentation der verschiedenen Ideen ist wichtig.

Katja Reinecke: Der Strategieprozess ist im Idealfall kein isolierter Moment, sondern er ermuntert zu Diskussionen, die über einen l?ngeren Zeitraum vertieft werden. Er ermutigt, neue Positionen zu entwickeln und bietet Raum, diese im Universit?tsalltag einzubinden. Ich denke, das ist ein entscheidender Erfolgsfaktor: Nehmen die Beteiligten den ganzen Prozess wahr als Chance, gemeinsam auf reale Ver?nderungen hinzuwirken?

Hauke Heekeren: Nach dem inhaltlichen Austausch beim Kick-off-Event werden Arbeitsgruppen für verschiedene Themen gebildet, in denen inhaltliche Beitr?ge für das Leitbild sowie für die Lehr- und Lernstrategie ausgearbeitet werden. Die Bildung einer Arbeitsgruppe sowie die Mitwirkung an Arbeitsgruppen steht den Teilnehmenden am Prozess offen, damit ihre Perspektive und Ideen berücksichtig werden k?nnen.

Wenn Sie Ihre Rolle in dem Prozess durch eine Rolle oder einen Beruf verdeutlichen müssten – welche oder welcher w?re es – und wieso?

Katja Reinecke: Ich glaube, eine Art Coach: anfeuern, Strategien entwickeln, St?rken bei den Beteiligten wahrnehmen und unterstützen. Meine Aufgabe als Koordinatorin der Lehrqualifizierung sehe ich in einer Art ?Empowerment“ für Lehre und Lehrende.

Cynthia Heiner: Nun, es ist nicht nur eine Rolle. Ich denke, dass ich, indem ich Teil des Prozesses bin, diesen auch lenken kann, also das w?re quasi eine Chefin. Gleichzeitig versuche ich, den Prozess effizient zu gestalten, und dann w?re ich eher eine Beraterin. Und dann muss jemand Textvorschl?ge für unser angestrebtes Leitbild schreiben oder die Sitzungsprotokolle schicken, und das ist wie eine Projektmitarbeiterin oder -leiterin.

Genau wie in meiner Position an der Universit?t übernehme ich viele Aufgaben in diesem Prozess – so wie wir alle. Das Zusammenbringen von Menschen in diesem Prozess kann deshalb eine echte Ver?nderung bewirken.

Hauke Heekeren: Als Vizepr?sident für 比分365,球棎足球比分 fühle ich mich für einen Prozess verantwortlich, der die Generation von Ideen und Inputs aus der Community von 比分365,球棎足球比分 an der Freien Universit?t heraus erm?glicht. Eine andere Art, meine Rolle zu beschreiben, w?re ?Facilitator“ beziehungsweise ?Erm?glicher“.

Fabian Krüger: Es mag unkreativ klingen, aber ich bin da einfach nur ein Student. Das bedeutet, dass ich die F?higkeiten, die ich in meinem Studium brauche, übertrage auf die Lehr- und Lernsituation an unserer Universit?t. Also probiere ich, einen Blick für das Detail zu gewinnen, zu hinterfragen, ob die gew?hlten Methoden wirklich geeignet sind, Probleme zu l?sen und natürlich nach alternativen, besseren L?sungen zu suchen.

Am Ende des Prozesses soll ein von allen Angeh?rigen der Freien Universit?t entwickeltes ?Leitbild Lehre“ stehen. Ohne, dass Sie der Entwicklung der kommenden Monate vorgreifen: Wie kann ein solches Leitbild im Universit?tsalltag gelebt werden, was kann es entfachen?

Hauke Heekeren: Das Leitbild Lehre soll zum Ausdruck bringen, was wir als Freie Universit?t unter 比分365,球棎足球比分 verstehen und worauf wir uns in den n?chsten Jahren bei der Weiterentwicklung dieses Bereichs orientieren wollen.

Was macht gute Lehr- und Lernkultur aus? Was zeichnet das Lernen und Lehren an der Freien Universit?t aus? Wie sollen im Jahr 2030 比分365,球棎足球比分 an unserer Universit?t aussehen? Das Leitbild Lehre soll die Antwort unserer Community auf diese Fragen artikulieren und als Orientierungs- und Bezugspunkt etwa bei der Qualit?tsentwicklung der Studieng?nge, der Erprobung innovativer Lehrformate oder der Wertsch?tzung guter Lehre an unserer Universit?t dienen.

Cynthia Heiner: Das ist keine einfache Frage. Ich denke, wir sollten uns w?hrend der Entwicklung des Leitbilds gleichzeitig auch Beispiele dafür überlegen, wie es an der Freien Universit?t praktisch umgesetzt werden kann und wie es mit Leben erfüllt werden k?nnte. Ich freue mich noch st?rker auf die Gestaltung des Leitbilds und die Beispiele dafür, was es an der Universit?t bedeuten k?nnte, als auf die Formulierung des eigentlichen Textes.

Fabian Krüger: Was dieses Dokument leisten soll, ist, den Kulturwandel, den wir im Prozess anstreben, in der Art zu untermauern, dass ein Zurückfallen in Stillstand nicht m?glich ist. Ich denke, dass sich – wie sich auch Wissenschaft immer weiterentwickelt – auch die Lehre stets weiterentwickeln sollte.

Mit dem Prozess zur Erarbeitung eines neuen Leitbildes schaffen wir hoffentlich eine Kultur, in der Diskussionen über Lehrmethoden an der Tagesordnung sind und in der auch wieder experimentiert wird, wie Lehre anders aussehen k?nnte. Im Idealfall bleiben wir auch mit dem neuen Leitbild nicht stehen, sondern streben immer weiter nach neuer und besserer Lehre. Dafür muss auch der Dialog unter den Statusgruppen selbstverst?ndlich und anhaltend sein. Ich denke dieses Leitbild kann den Ehrgeiz hervorrufen, der dafür n?tig ist.

Katja Reinecke: Ich glaube, die M?glichkeiten sind vielf?ltig. Ein Anfang ist gemacht, wenn Lehrende und Studierende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Freien Universit?t wissen, dass es ein Leitbild gibt. Wenn sie sich in Diskussionen oder bei Entscheidungen – etwa wie eine bestimmte Frage der Lehre im Fach gel?st werden soll – darauf beziehen. Wenn sich generell eine Haltung einstellt: Wir lehren nicht irgendwie, sondern für unsere Lehre haben wir Ziele und Ansprüche formuliert.

Zu lehren ist eine hochprofessionelle, wissenschaftlich anspruchsvolle T?tigkeit, und wir arbeiten genauso auf hohe Standards hin wie in der Forschung.

Die Fragen stellte Carsten Wette

Weitere Informationen

Mitwirken

Im Rahmen des Prozesses ?Zukunft 比分365,球棎足球比分 gemeinsam gestalten“ k?nnen sich alle Angeh?rigen der Freien Universit?t in mehreren Etappen und Formaten einbringen. Jeder und jede kann aus seiner oder ihrer Perspektive Anregungen und Impulse geben, um 比分365,球棎足球比分 an der Freien Universit?t fortzuentwickeln.

Kick-off

Offizieller Start des Vorhabens ist ein Kick-off-Event

Zeit und Ort

  • 28. April von 14.00 bis ca. 17.30 Uhr
  • Henry-Ford-Bau, Garystra?e 35, 14195 Berlin (U-Bhf. Freie Universit?t/Thielplatz, U 3)

Hierzu sind alle Interessierten ganz herzlich willkommen, seien sie Hochschullehrende oder Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Kolleginnen und Kollegen in Laboren, Bibliotheken, zentraler oder dezentraler Verwaltung. Zur besseren Planung wird um eine formlose Anmeldung gebeten.

Bei dem Kick-off-Event tauschen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über wichtige Fragen für die Zukunft von 比分365,球棎足球比分 an der Freien Universit?t Berlin aus und definieren Themen, die in den folgenden Wochen in offenen Arbeitsgruppen behandelt werden.

Einsteigen jederzeit

Eine Mitwirkung in den Arbeitsgruppen ist selbstverst?ndlich auch Personen m?glich, die am Kick-off-Event nicht teilgenommen haben. Umgekehrt steht es Personen auch frei, ihre Teilnahme auf das Kick-off-Treffen zu beschr?nken.

Wrap it up

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden in einem Wrap-up-Event ?ffentlich vorgestellt und diskutiert. Gelegenheit zu Rückmeldung, Kritik und weiteren Anregungen bietet im Wintersemester die daran anschlie?ende Feedback-Kampagne, die die Universit?t in ihrer Breite betreffen wird.

Jede dieser Stationen steht allen Mitgliedern der Freien Universit?t offen. Auch eine Teilnahme ohne Deutschkenntnisse (mit Englischkenntnissen) ist m?glich.

Im letzten Schritt wird das ausgearbeitete Konzept des Leitbilds Lehre in den Gremien der akademischen Selbstverwaltung zur Diskussion und Beschlussfassung vorgelegt.

Informationen zum Prozess ?Zukunft 比分365,球棎足球比分 gemeinsam gestalten“ finden Sie hier.